Dr. Mayinger bei seinem Vortrag

Ist die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke richtig oder hätte es die Bundesregierung bei dem vorhandenen Kompromiss belassen sollen? Daran schieden sich bei der gut besuchten Veranstaltung der CSU Prien im Gasthaus Stocker in Atzing die Meinungen. Mehr als siebzig interessierte Bürger, darunter

2. Bürgermeisterin Renate Hof, informierten sich über das brisante Thema. Drei Experten konnten für die Podiumsdiskussion gewonnen werden. Der Ingenieur und Thermopraktiker Prof. Dr. Franz Mayinger. Von 1971 bis 1991 Mitglied in der deutschen Reaktorsicherheitskommission. Er ist ein Befürworter der Laufzeitverlän-gerung. Leonhard Hinterholzer Elektromeister, Inhaber der Firma Chiemsee Solar und Experte für Photovoltaikanlagen als erklärter Gegner. Und schließlich Dr. Peter Pfleger von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, der die Anliegen der Unternehmen vertrat.

 

Bild: Prof. Dr. Mayinger bei seinem Vortrag

CSU-Ortsvorsitzender Andreas Becker ging in seiner Begrüßung auf das zurzeit dominierende Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. „Sonnen- und Windenergie gelten aktuell als „die" sauberen Energielieferanten. Aber was ist eigentlich mit der Atomenergie? Auch diese Form der Energiegewinnung erzeugt kein CO²" rief Becker in die Runde.

Professor Mayinger machte in seinem Kurzreferat deutlich, dass bei einem zu frühen Abschalten der Atomkraftwerke die Kohlekraftwerke deutlich ausgebaut werden müssten, da die regenerativen Energieträger, wegen deren zu hohen Schwankungen, die Versorgungssicherheit nicht gewährleisten können. Ein zu früher Atomausstieg ist auch ein Ausstieg aus dem Klimaschutz. Erst wenn vernünftige Energiespeicher vorhanden sind, ist ein Ausstieg denkbar. Er ist der Meinung, dass einige Atommeiler sogar mindestens zwanzig Jahre am Netz bleiben müssten. Am Ende wies er auf die weltweite Entwicklung im Bereich Atomstrom hin. „Der Welt ist es egal was Deutschland macht, der Trend geht hin zu deutlich mehr Atomkraft-werken und dann bekommen wir den Strom eben von dort" betonte er.

Leonhard Hinterholzer war dagegen völlig anderer Meinung. Er sieht die Atomenergie nicht als Brücke zum Solar. Im Gegenteil, die Atomkraftwerke behindern seiner Meinung nach die Entwicklung von erneuerbaren Energien. Hinterholzer wies auf die Gefahren und die Endlagerproblematik durch die hohe Haltwertszeit hin.

Der Vertreter der bayerischen Wirtschaft Dr. Pfleger warnte davor, dass eine falsche Energiepolitik das erst wieder ansteigende Wirtschaftswachstum gefährdet. Energie ist das zentrale politische Zukunftsthema. Hier müssen die Weichen richtig gestellt werden, um im weltweiten Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten, sagte er.

Die größte Herausforderung ist dabei der stark steigende Energiebedarf der Schwellenländer. Die Wirtschaft benötigt akzeptable Energiepreise sowie eine Versorgungssicherheit der Grundlast durch Wasser, Kohle sowie Kernkraft. Auch er war der Meinung dass es notwendig ist Atomkraftwerke länger als die zuletzt beschlossenen sieben bis fünfzehn Jahre am Netz zu lassen.

Bei der im Anschluss geführten kontroversen Diskussion unter den Gästen und den Podiumsteilnehmern, zeigten sich nochmals deutlich die verschiedenen Stand-punkte. Einige Vorurteile konnten dabei von Professor Mayinger fundiert widerlegt werden.